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24 h Nürburgring - Le-Mans-Piloten geben sich doppelte Dosis

Enorme körperliche Herausforderung

Es klingt nach Rennfahrer-Himmel: Zwei 24-Stunden-Rennen hintereinander. Doch neben dem Fahrspaß stellt dies den Körper vor ungeahnte Aufgaben.
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Motorsport-Magazin.com - Rennkalender aufzustellen ist immer eine schwierige Angelegenheit, und für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring ist es besonders schwierig: Benötigt wird ein langes Wochenende, das nicht zu früh im Jahr liegen sollte. Denn selbst jetzt im Juni liegen die Nacht-Temperaturen tief im einstelligen Bereich. Gleichzeitig versuchen die WEC-Macher, der Formel 1 aus dem Weg zu gehen. Das Ergebnis: Die beiden Langstreckenklassiker von Le Mans und auf dem Nürburgring liegen 2014 nur eine Woche auseinander. Doch nicht wenige Fahrer geben sich die volle 24h-Dröhnung: Start in beiden Rennen, zweimal 24 Stunden Vollgas binnen einer Woche.

Ich habe bereits im Winter für diesen Doppelschlag trainiert.
Marcel Fässler

Selbst gestandene Formel-1-Piloten gehen mit Respekt an die Challenge heran: "So etwas habe ich vorher noch nie gemacht, deshalb weiß ich noch nicht, wie das genau werden wird" gab sich Nick Heidfeld auf der offiziellen Nissan-Pressekonferenz auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com vorsichtig. Er startet gemeinsam mit einem weiteren Doppelstarter, Lucas Ordonez, auf einem Werks-Nissan GT-R. "Das ist schon eine ganz besondere Woche für mich, an die ich mich immer erinnern werde", so der 183-fache GP-Pilot.

Auch bei Audi gibt es eine Reihe von Doppelstartern: Rene Rast und Nicki Thiim sind sich einig: Körperlich werde es eine ziemliche Anstrengung, sagten sie unisono im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Die mentale Seite ist am schwierigsten, weil man sich auf beide Rennen perfekt vorbereiten muss", ergänzte Thiim, der in Le Mans auf seinem Weg zum Sieg in der GTE-Am-Wertung 13 Stunden am Steuer gesessen hatte. "Aber das sind eben die zwei größten Klassiker, die es gibt. Es ist für mich ein Privileg, für Audi am Nürburgring zu starten. Diese Rennen ist für GT-Piloten das Größte.

Mit Marcel Fässler kommt der Le-Mans-Sieger in die Eifel - Foto: Speedpictures

Fordernder Umstieg auf anderes Fahrzeugkonzept

Mit Marcel Fässler geht niemand geringeres als der amtierende Le-Mans-Sieger auch am Nürburgring an den Start. "Es ist ein Mammutprogramm", gab er zu. "Ich habe bereits im Winter für diesen Doppelschlag trainiert." Porsche-Pilot Jörg Bergmeister offenbarte: "Ich habe im Moment ein paar anstrengende Tage." Dabei ist der Haribo-Pilot noch derjenige, der sich am wenigsten umgewöhnen muss: In Le Mans pilotierte einen Porsche 911 RSR für das Manthey-Werksteam, nun steigt er auf das GT3-Modell GT3 R um. Andere Fahrer haben da wesentlich größere Schritte zu machen.

Das ist schon eine ganz besondere Woche für mich, an die ich mich immer erinnern werde.
Nick Heidfeld

Nick Heidfeld etwa muss sich von einem LMP1-Fahrzeug auf einen wesentlich trägeren, weil schwereren Nissan GT-R Nismo GT3 umstellen: "Es ist nie leicht, zwischen Autos hin und her zu wechseln" gab der 37-Jährige zu. "Ich gewöhne mich jetzt erst langsam wieder dran. Als ich jünger war, waren solche Wechsel an der Tagesordnung, da habe ich während meiner Formel-3-Saison Formel-3000- und ITC-Autos getestet. Jetzt gewöhne ich mich langsam wieder an diese Wechsel."

Ich habe zwei Tage lang viel gegessen, getrunken und geschlafen.
Rene Rast

Keine Probleme hingegen hat Rene Rast, der von einem von Sebastien Loeb Racing eingesetzten Oreca-LMP2 in den Audi R8 LMS ultra von Phoenix Racing umsteigt: "Ich kenne den Audi ja mittlerweile ganz gut und weiß vorm Reinsetzen schon, was mich erwartet. Mit ein paar Tagen dazwischen brauche ich keine Eingewöhnungszeit. Da fahre ich aus der Box raus und gut ist. Aber wenn man mich direkt aus einem Prototypen in den R8 setzen würde - das geht gar nicht."

Nicki Thiims Umstieg fällt vom Schritt aus dem Aston Martin V8 Vantage auf den Audi R8 LMS ultra zwar nicht ganz so groß aus - immerhin bleibt es ein GT-Fahrzeug -, doch selbst der Däne muss sich umgewöhnen, und das nicht bloß von Front- auf Mittelmotor: "Der Aston Martin ist ein GTE-Fahrzeug, die Autos hier gehen mehr in Richtung Straßenauto. Es ist schon eine größere Umstellung als man denkt. Aber es ist hier so unglaublich eng und spannend; man hat 20 Autos, die gewinnen können, man muss absolut alles geben." In der GTE Am fuhr Thiim gemeinsam mit Kristian Poulsen und David Heinemeier Hansson einen eher leichteren Klassensieg ein.

Nicht nur für die Fahrer ist es hart: Die halbe Nismo-Crew hat das Doppelpensum ebenfalls zu absolvieren - Foto: Patrick Funk

Ein Rennen fallen lassen kommt nicht in Frage

Ganz wichtig ist die Regeneration in der kurzen Pause zwischen den Rennen: "Nach Le Mans bin ich schnell nach Hause geflogen, um mich zu regenerieren, damit ich am Nürburgring wieder alle meine Kräfte beisammen habe", so Fässler. Rene Rast ergänzte: "Ich habe zwei Tage lang viel gegessen, getrunken und geschlafen. Daher fühle ich mich gut regeneriert." Die Zeit verbrachte er mit Chatten mit Thiim. Gut in Form fühlt sich auch Nick Heidfeld, der aber anmerkte: "Fragt mich das am besten noch einmal nach dem Rennen, das ist für mich das absolut erste Mal."

Rene Rast hat keine Probleme beim Umstieg von LMP2 auf GT3 - Foto: Patrick Funk

Doch keiner der Fahrer würde freiwillig ein Rennen weglassen: "Von der Motivation her könnte ich jede Woche ein 24-Stunden-Rennen fahren, weil 24h-Rennen einfach schön sind. Aber die Frage ist, wie lange der Körper das mitmacht", lachte Rast. "Das ist unser Job, und wir machen diesen hundertprozentig", fügte Thiim hinzu. Heidfeld gab zum Stellenwert des Rennens eine Anekdote ab, die für allgemeine Heiterkeit sorgte: "In Le Mans habe ich gesagt, dass ich das Rennen als Warm Up für dieses hier mache. Das kam aber nicht so gut an." Dabei hatte das durchaus einen ernsthaften Hintergrund: "In Le Mans hat man sehr viele Geraden, wo man überholen und relaxen kann, das hat man hier nicht. Dies ist eines der härtesten Rennen, die man sich vorstellen kann."

Es gibt noch zahlreiche weitere Doppelstarter: Titelverteidiger Jeroen Bleekemolen (Black Falcon) war in Le Mans auf einem Porsche am Start, Richard Westbrook steigt von der Corvette auf einen Prosperia-R8 um. Abdulaziz bin Turki Al Faisal (Black Falcon), Roman Rusinov (G-Drive Racing), Markus Palttala (Marc VDS), Pierre Ehret (GT Corse), Alvaro Parente (Dörr Motorsport), Tristan Gommendy (Seat Leon) und Alexandre Imperatori (Falken Motorsports) waren ebenfalls in Le Mans am Start. Bei Aston Martin Racing gilt das gleich für den gesamten Kader: Darren Turner, Stefan Mücke und Pedro Lamy steckt bereits die Sarthe-Nacht in den Knochen, wenn die Ampel am Nürburgring auf grün springt.


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