24 h von Le Mans - Interview - Anthony Davidson

Volle Genesung wird erwartet

Anthony Davidson sprach vom Krankenbett aus über seinen Le-Mans-Unfall und eine positive Genesungsprognose.

Motorsport-Magazin.com - Wie geht es dir?
Anthony Davidson: Ich habe mich schon besser gefühlt, das ist sicher. Ich habe einige Schmerzen in meinem Lendenbereich in der Mitte des Rückens. Das ist aber das Einzige, das schmerzt, also hatte ich Glück.

Wie lautet die Diagnose und wann kommst du wieder zurück?
Anthony Davidson: Im Prinzip habe ich zwei gebrochene Rückenwirbel; T11 und T12. Die Ärzte sagen, die durchschnittliche Genesungszeit sind drei Monate, doch das gilt für eine Durchschnittsperson und nicht für einen professionellen Sportler oder Athleten. Die Einschätzung lautet, dass die Knochen wieder absolut verheilen; dass sie so stark werden wie vorher. Es wird so drei Wochen dauern, bis die Schmerzen verschwinden und ich meine Mobilität wieder voll zurück habe.

Ich nahm den Scheitelpunkt der Kurve, begann zu bremsen und war beinahe aus der Kurve draußen, als ich die Berührung links hinten spürte
Anthony Davidson

Kannst du beschreiben, was passiert ist, damit es zu dem Unfall kam?
Anthony Davidson: Ich war beinahe komplett am Auto vorbei, nachdem wir den Scheitelpunkt des Knicks passiert hatten. Ich überholte eine Corvette und einen Ferrari mit dem Aufkleber für einen professionellen Fahrer drauf. Sie kämpften gegeneinander und ich nahm einfach an, der Ferrari davor gehörte zu der Gruppe dazu und war deswegen ebenfalls ein Profi. Das Auto war ganz links, wie man es von einem Profi erwarten würde. Erst als ich ganz am Heck dran war, merkte ich, dass es ein Auto mit einem Amateur-Aufkleber war. Dennoch war ich noch nicht alarmiert, ich hatte nach wie vor das Gefühl, es sei ein legitimes Manöver und dachte, er würde links bleiben, wonach es auch aussah. Ich nahm den Scheitelpunkt der Kurve, begann zu bremsen und war beinahe aus der Kurve draußen, als ich die Berührung links hinten spürte.

Kannst du beschreiben, was dann passiert ist?
Anthony Davidson: Das Auto wurde sofort gedreht, schwenkte nach links, hob ab und drehte sich auf den Kopf. Zu dem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, in einem außer Kontrolle geratenen Flugzeug zu sein. Ich wusste, wie nahe die Absperrungen waren und bei der Geschwindigkeit würde ich sofort dort sein. Der Teil des Unfalls war ziemlich angsteinflößend. Das Auto fiel wieder zu Boden, ich spürte einen unglaublichen Schlag, der die Wirbelsäule hochkletterte, als das Auto wieder auf vier Rädern aufkam. Ich hatte meine Augen immer noch geschlossen und die Hände vom Lenkrad und kauerte mich zusammen. Eine halbe Sekunde danach kam der Frontaleinschlag in die Absperrung.

Was passierte, als das Auto stehenblieb?
Anthony Davidson: Ich öffnete meine Augen und merkte, dass ich noch da war, auch wenn ich einige Schmerzen hatte. Ich konnte meine Füße bewegen und hatte Gefühl; alles funktionierte. Ich weiß, ich hätte im Auto bleiben sollen, vor allem mit Rückenschmerzen, doch zunächst hatte ich volle Panik und Klaustrophobie. Ich musste einfach aus dem Auto. Es war wirklich eigenartig. Ich stieß die Tür auf und kletterte vorsichtig heraus, weil ich wusste, dass ich Schmerzen hatte. Ich musste mich hinaus quetschen und die am nächsten liegende Stelle war die Seite des Autos. Dann kamen die Sanitäter.

Es war eine schöne Geste, dass mein Teamkollege aus dem Vorjahr, Sébastien Bourdais, ins Medical Centre kam. Es war schön, in dem Moment ein bekanntes, freundliches Gesicht zu sehen
Anthony Davidson

Hat dich das Team bereits besucht?
Anthony Davidson: Alle Fahrer waren hier. Stéphane und Sébastien kamen in der Nacht [von Samstag auf Sonntag] vorbei, die Jungs von #7 am Morgen und es war eine schöne Geste, dass mein Teamkollege aus dem Vorjahr, Sébastien Bourdais, ins Medical Centre kam. Es war schön, in dem Moment ein bekanntes, freundliches Gesicht zu sehen. Am Sonntagmorgen kam das ganze Team vorbei, um nachzusehen, wie es mir geht.

Was sagst du zum Renndebut des TS030 Hybriden?
Anthony Davidson: Als mich das Team besuchte, klopften wir uns für unsere Leistung alle auf die Schulter. Mehr als alles andere wollten wir den Speed unseres Autos zeigen. Wenn wir zurückschauen, auch von meinem Krankenhausbett aus, dann gab es viel Positives. Wir mussten dieses Wochenende viele Dinge abhaken und eines davon war es, schnell zu sein. Wir hatten ein tolles Qualifying, drängten uns zwischen die Audis und zeigten im Rennen tolle Pace, indem wir mit Nico in der #7 die Führung übernahmen. Ich denke, das war wirklich toll für die Fans.

Horror-Crash von Davidson in Le Mans: (2:00 Min.)

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